Die Pianistentram - Schnappschüsse

"Bitte nicht zusteigen!", hieß es auf dem Weg vom Straßenbahndepot in die Innenstadt, und so mancher Fahrgast verfolgte schmunzelnd und winkend den Weg der (noch leeren) Pianistentram zu ihrer ersten Haltestelle am Lenbachplatz.

Dort warteten allerdings schon die ersten Gäste, die die liebevoll dekorierte Straßenbahn in Sekundenschnelle in Beschlag nahmen und ungeduldig warteten, bis der erste Pianist des Abends, Thomas Fischer, dem Klavier die ersten Töne entlockte.
Ab dann war alles kurzweilige Routine: die Pianistentram drehte ihre Runden durch die Innenstadt, an jeder Haltestelle bestürmt von Musikliebhabern, die dieses ungewöhnliche und abwechslungsreiche Konzert nicht versäumen wollten.

Angefangen von Wagner-Transkriptionen über Salonmusik, Jazz , Boogies & Ragtime und Schlagerklassikern bis hin zu südamerikanischen Rhythmen war in dieser Nacht alles vertreten. In halbstündigem Wechsel präsentierten sich neben Thomas Fischer auch andere Pianisten des Münchner Pianistenclubs (Foto rechts: Hans Wolf) ihrem Publikum, das seiner Freude an der Musik durchaus auch mit Sangeseinlagen Ausdruck zu verleihen wußte.

Dieser Andrang hatte natürlich auch hin und wieder zur Folge, das auch die Pianisten im Gedränge steckenblieben und sich den Weg zu ihrem Arbeitsplatz erst mühsam bahnen mußten.

Von außen bot sich den Passanten ein ungewöhnliches Bild einer in orange-rotes Licht getauchten Straßenbahn, die durch eine originelle Außendekoration bereits von weitem auffiel. Bei näherem Hinsehen verwies die überdimensionale "schwingende Tastatur" der Außenseite auf das dahinter quer zur Fahrtrichtung installierte Klavier, an dem sich die ganze Nacht hindurch die Pianisten tummelten.

Doch nicht nur die Gäste nahmen regen Anteil am Geschehen, auch das Personal der mvg konnte dieser musikalischen Sonderschicht Einiges abgewinnen und stand den Gästen an guter Laune in nichts nach

Insgesamt 15 Runden drehte die klingende Tram durch die Münchner Innenstadt, bis sie am Maxmonument die letzten Fahrgäste aussteigen ließ, um dann ihrer wohlverdienten Nachtruhe im Depot entgegenzufahren.


Text und alle Fotos: Clarissa Höschel
© Art & Piano München

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